Musikstunde zweisprachig

Mein zweiter Einsatz in der Flüchtlingsunterkunft ICC war gemeinsam mit Rafah. Zu zweit war es wesentlich entspannter, trotzdem wir gut 20 Kinder in dem kleinen Raum versammelten. Sehr hilfreich war natürlich, dass es eine arabisch sprechende Ansprechpartnerin gab. Aber auch die Gelassenheit Rafahs angesichts des kleinen Chaos war bemerkenswert. Man muß gar nicht auf alles eingehen; eine Mutter mit einem 1-jährigen spazierte zwischendurch herein, setzte sich dazu und es war überhaupt nicht störend. Mein Impuls beim Hereinkommen war es, sie gleich darauf hinzuweisen, dass ihr Kind noch zu klein für die Gruppe wäre. Was sich im Nachhinein als überflüssig erwies ...

Ich habe mit einem kleinen Warming-up angefangen. Dazu hatte ich laminierte Din A4-große Fotos von Tieren, die wir in Lauten und Gesten nachmachten. Dann kam der Zaubersack mit einem Hund als Inhalt. Der Dackel stellte sich den Kindern als Waldemar vor und ging dann von Hand zu Hand mit der Begrüßung "Hallo, ich heiße Waldemar. Und wie heißt du?" Wir sangen und tanzten zusammen das Lied "Mein Dackel Waldemar und ich, wir zwei". Danach wiederholten wir das Esellied in arabisch und deutsch und spielten "Tuff tuff tuff, die Eisenbahn". Die Verständigung war viel leichter und alle hatten Spaß an Bewegung und Musik.
 
30 Jahre pädagogische und musikalische Erfahrung haben mich nicht auf die Situation mit den Flüchtlingskindern vorbereitet. Seit vielen Jahren arbeite ich schon mit Migrantenkindern in der Sprachförderung, aber es ist trotzdem nicht mit meinem Einsatz im ICC vergleichbar. Ich glaube, ich muß mir jedes Mal wieder bewusst machen, dass die Kinder nicht mit hierzulande Aufgewachsenen vergleichbar sind: sie haben keinerlei Erfahrungen mit strukturierten Tagesabläufen wie in Kindergarten und Schule, und die (Überlebens-)Regeln, die sie in ihrer kurzen Lebenszeit gelernt haben, sind nicht vergleichbar mit den Erwartungen die wir in Deutschland an sie haben. Es wird eine immense Aufgabe darstellen, diese kleinen Menschen in Kindergärten und Schulen zu integrieren.

 

Ganz ohne Regeln wird es aber in den nächsten Wochen trotzdem nicht gehen. Ich habe mir vorgenommen, darauf zu bestehen, dass Essen und Trinken nicht mitgebracht wird. Dass alle, die zwischendurch rausgehen, dann auch bitte draußen bleiben sollen und natürlich, dass körperliche Auseinandersetzungen völlig fehl am Platz sind.

 

 

 

 

Mein Dackel Waldemar ...

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Kommentare: 1
  • #1

    Steffi (Samstag, 06 Februar 2016 10:18)

    Das klingt nach einer wahnsinnig spannenden Herausforderung. Ich freu mich drauf mehr zu lesen. Deine Erfahrungen sind für mich Gold wert. Danke. :-)

 

 

 

 

Sprache

ist die Grundlage für Bildung

und Bildung

ist die Grundlage für

eine gesunde Gesellschaft.

Jedes Kind soll die

gleichen Chancen

bekommen,

seine Gesellschaft

aktiv mitzuprägen.

 

Edgardis Garlin

 

 

 

 

 

Musik allein

ist die Weltsprache

und braucht nicht

übersetzt zu werden

 

Berthold Auerbach (1812 - 1882)

 

 

 

 

 

Wer fremde Sprache nicht kennt,

weiß nichts von seiner eigenen

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

 

Du hast so viele Leben,

wie du Sprachen sprichst

 

Aus Tschechien