Osterrunde mit Rotary

Heute fand das zweite Treffen mit Rotary-Mitgliedern statt in der ehemaligen Pullman-Lounge im dritten Stock des ICC. Das Ambiente unterschied sich sehr von unserem ersten improvisierten Treffen in den Malteser-Büros und auf Bierbänken. Auch die Runde war diesmal kleiner und vor allem waren nicht nur Frauen und Kinder erschienen, sondern ich bekam erstmals auch die Väter der Kinder zu Gesicht. Asia hatte zur besseren Verständigung nur drei Familien eingeladen, was wohl viel diplomatisches Geschick verlangte, da zwischen den Gästen im ICC eine dauernde Konkurrenzsituation herrscht und sich daraus schnell Animositäten zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten entwickeln können.

 

Unter den Geladenen war eine Frau, die gerade heute Geburtstag hatte. Obendrein war sie gerade vor drei Wochen wieder Mutter geworden und das Neugeborene war im MaxiCosi mit dabei. Asia hatte einen Blumenstrauß besorgt und Rafah und ich sangen mit den Kindern ein Geburtstagsständchen. Bei der Vorstellrunde (die ausschließlich von den Männern bestritten wurde) stellte sich heraus, dass die Familien aus dem Irak, Syrien und Palästina stammen. Zum Teil fanden sie den Weg nach Deutschland auf dem Landweg, zum Teil übers Mittelmeer. Alle Männer betonten, dass sie schnell arbeiten und ihren Familien und Kindern eine gute Zukunft bieten wollen. Bei der Frage nach den Fortschritten beim Deutschlernen, meinte ein Vater, dass es besser wäre, erst eine eigene Wohnung zu haben um die Sprache zu lernen. Dazu muß man wissen, dass sich die geladenen Familien bereits in einer priviligierten Situation befinden: sie sind nicht im großen Ballsaal des ICC untergebracht, wo nur Trennwände die einzelnen Zimmer unterteilen, sondern bewohnen richtige Räume im 5. Stock mit Fenstern und Tageslicht. Michael Linckersdorff betonte, dass die Reihenfolge eine andere wäre und die Sprache der Schlüssel zu allem anderen. Einige interessante Zitate folgten auch noch, die leider wegen der Sprachschwierigkeiten und dem Zeitmangel nicht vertieft werden konnten. Die Männer glauben, dass die Berliner Wirtschaft durch die Flüchtlinge enorm angekurbelt worden wäre. Es war die Rede davon, dass Jesiden den Satan anbeten und dass auf dem Land in Deutschland paradisische Zustände herrschten, mit Wohnraum für alle.  

 

Rafah mischte sich zwischendurch auch in die Diskussion ein, was die anwesenden Familienväter eher irritierte und zu der Frage animierte, wo sie denn ihre Wurzeln hätte. Geboren und aufgewachsen in Jordanien, stammt Rafahs Familie zum Teil aus Syrien und aus Palästina. Mit ihren kurzen Haaren (selbstverständlich ohne Kopftuch) und ihrer herzerfrischenden Art die Dinge beim Namen zu nennen, stellte sie einige provokante Thesen auf und wollte Antworten von den Männern. Zum Beispiel auf die Frage des Sport- und Schwimmunterrichts für Mädchen. Die anwesenden Männer erklärten sich einverstanden damit, ihre Töchter bis zum 12. Lebensjahr teilnehmen zulassen. Natürlich hätte man da weiterreden müssen und den Männern erklären, dass Frauen und Mädchen in Deutschland die gleichen Rechte genießen wie die Männer. Rafah warf zwar noch ein, dass Kinder hier mit dem vollendeten 18. Lebensjahr selbst über ihr Leben bestimmen dürfen, doch leider wurden diese Wertediskussion nicht vertieft. Dafür wäre besser eine männliche arabisch sprechende Person geeignet, die ganz klar benennen kann, was zur Eingliederung hier in Deutschland erwartet wird. Frauen werden von den Männer als Gesprächspartner nicht ernst genommen.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Daniela (Dienstag, 12 April 2016 17:20)

    Ja, das ist wirklich ein Problem, dass die Frauen nicht für voll genommen werden. Da wird es ein Mann leichter haben, über Gegebenheiten hierzulande aufzuklären. Interessant, dass es scheinbar ok ist, wenn die Kinder Deutsch lernen, für die Erwachsenen hat das aber wohl nicht Priorität. Diese Treffen zeigen, dass Euer Engagement weit über die spielerische Sprachförderung der Kinder hinausgeht.

  • #2

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