So

17

Apr

2016

Vorzeitiger Ausstieg aus dem Projekt

Als Reaktion auf das (in meinen Augen konstruktiv und sachlich geführte) Gespräch mit den Verantwortlichen im ICC schrieb mir Rafah eine persönlich sehr beleidigende und verletzende Nachricht. Ich habe nicht sofort geantwortet, mit dem Ergebnis, dass sie nochmal nachlegte, um ihre Meinung zu bekräftigen. Das Ergebnis ist, dass ich mir eine weitere Zusammenarbeit absolut nicht vorstellen kann. Auch ein gemeinsames CD Projekt mit arabisch/deutschen Kinderliedern wird es nicht geben.

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Fr

15

Apr

2016

Gesprächstermin bei den Maltesern

Vor der Musikstunde fand die geplante Gesprächsrunde bei den Maltesern statt. Teil nahmen die stellvertretende Einrichtungsleitung, die Ehrenamtskoordinatorin, eine Erzieherin, Rafah und ich. Mit dem Beginn der helleren Jahreszeit und einem Wetter, das es möglich macht, viel mit den Kindern rauszugehen, wird es schwierig, das bisher dreimal die Woche stattfindende Musikangebot aufrecht zu erhalten. Ein Gang auf den Spielplatz lohnt nicht, wenn alle um 16 Uhr bereits wieder da sein müssen. Wir haben überlegt, die Zeiten nach hinten zu verschieben, was sich für Rafah und mich schwierig gestaltet. Andere Tage kommen auch nicht in Frage, weil bereits andere Angebote stattfinden. Wir haben uns dann dahingehend geeinigt, den Mittwoch (meine Deutschstunden) komplett zu streichen und dafür am Donnerstag und Freitag den Unterricht gemeinsam zu machen. Damit wäre auch das Problem des fehlenden zweiten Erwachsenen gelöst.

 

Die Alternative wäre gewesen, schon im April mit einem Abschlusskonzert das Projekt zu beenden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass das schade wäre.

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Mi

13

Apr

2016

"Schlüsselgewalt"

Wieder einmal stand ich vor verschlossener Tür und sagte dem Mann vom Sicherheitspersonal auf der Etage Bescheid, dass ich den Raum für die Musik bräuchte. Nach zehn Minuten unterbrach ich meine Musikstunde vor der Tür und wiederholte meine Bitte. In der Zwischenzeit hatten sich viele männliche Gäste um den Tisch des Sicherheitsmannes versammelt und die Reaktion auf meine freundlich vorgetragene Bitte war ein ziemlich unfreundliches " Beschweren Sie sich bei den Maltesern. Ich kann nicht mehr, als hier per Funk Bescheid zu geben". Ich war ziemlich perplex und kann mir diese Reaktion nur so erklären, dass im Besein der anderen Männer, er keine Weisung von mir erhalten wollte.

Aufgeschlossen wurde nach 30 Minuten und auf meinen Hinweis, dass wir schon eine halbe Stunde vor der Tür warten würden, bekam ich zu hören, dass ich schließlich nicht die Einzige wäre, die warten müsste,

Seit Januar finden jede Woche Mi, Do, Fr Musikstunden statt. Immer zur gleichen Zeit im gleich Raum. Es hängt sogar ein Belegungsplan an der Tür. Aber es ist nicht möglich, das in die Planung einzubeziehen.

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Fr

08

Apr

2016

Musikstunde ohne Kinder

Heute war wieder eine Musikstunde zusammen mit Rafah geplant. Sie hatte herausgefunden, dass es mit dem Aufschließen besser klappt, wenn man gleich unten am Haupteingang Bescheid gibt. Also fanden wir einen geöffneten Raum vor und freuten uns, den Unterricht pünktlich beginnen zu können. Leider waren keine Kinder auffindbar. Wir sind durchs ganze Haus gelaufen und haben auch im Raum der Kinderbetreuung nachgesehen, der verlassen war. Uns wurde gesagt, dass die Erzieher mit den Kindern auf dem Spielplatz wären.

Daraufhin gingen wir ins Büro der Ehrenamtlichen und vereinbarten für den kommenden Freitag einen Gesprächstermin. Erfreulicherweise gibt es jetzt Schulplätze für die Kinder, was eine neue Zeitplanung notwendig macht.

Beim Verlassen des ICC kamen uns die Kinder entgegen und auffällig war, dass von den fast einhundert Kindern in der Unterkunft es immer die gleichen sind, die sich an Aktivitäten beteilligen.

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Mi

06

Apr

2016

Frühling im ICC

Frisch erholt aus dem Osterurlaub kommend, war ich gut vorbereitet und voller Elan an meinem ersten Mittwoch erschienen. Leider klappte das Aufschließen wieder gar nicht und ich wartete mit einem guten halben Dutzend Kindern vor der Türe. Als wir endlich in den Raum konnten, waren nur noch fünf Kinder übrig, die anderen wieder irgendwohin verschwunden. Aber es wurde eine schöne Stunde und wir sangen die deutsche Version von "I like the flowers".

Die zweite Gruppe (ursprünglich war angedacht, zuerst mit den Großen 6-10jährigen zu arbeiten, danach mit den Kleinen 3-6jährigen) bestand wiederum aus nur fünf Kindern und weil die Aufmerksamkeitsspanne recht kurz war, spielten wir zum Ende der Stunde Memory.

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So

17

Apr

2016

Vorzeitiger Ausstieg aus dem Projekt

Als Reaktion auf das (in meinen Augen konstruktiv und sachlich geführte) Gespräch mit den Verantwortlichen im ICC schrieb mir Rafah eine persönlich sehr beleidigende und verletzende Nachricht. Ich habe nicht sofort geantwortet, mit dem Ergebnis, dass sie nochmal nachlegte, um ihre Meinung zu bekräftigen. Das Ergebnis ist, dass ich mir eine weitere Zusammenarbeit absolut nicht vorstellen kann. Auch ein gemeinsames CD Projekt mit arabisch/deutschen Kinderliedern wird es nicht geben.

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Fr

15

Apr

2016

Gesprächstermin bei den Maltesern

Vor der Musikstunde fand die geplante Gesprächsrunde bei den Maltesern statt. Teil nahmen die stellvertretende Einrichtungsleitung, die Ehrenamtskoordinatorin, eine Erzieherin, Rafah und ich. Mit dem Beginn der helleren Jahreszeit und einem Wetter, das es möglich macht, viel mit den Kindern rauszugehen, wird es schwierig, das bisher dreimal die Woche stattfindende Musikangebot aufrecht zu erhalten. Ein Gang auf den Spielplatz lohnt nicht, wenn alle um 16 Uhr bereits wieder da sein müssen. Wir haben überlegt, die Zeiten nach hinten zu verschieben, was sich für Rafah und mich schwierig gestaltet. Andere Tage kommen auch nicht in Frage, weil bereits andere Angebote stattfinden. Wir haben uns dann dahingehend geeinigt, den Mittwoch (meine Deutschstunden) komplett zu streichen und dafür am Donnerstag und Freitag den Unterricht gemeinsam zu machen. Damit wäre auch das Problem des fehlenden zweiten Erwachsenen gelöst.

 

Die Alternative wäre gewesen, schon im April mit einem Abschlusskonzert das Projekt zu beenden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass das schade wäre.

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Mi

13

Apr

2016

"Schlüsselgewalt"

Wieder einmal stand ich vor verschlossener Tür und sagte dem Mann vom Sicherheitspersonal auf der Etage Bescheid, dass ich den Raum für die Musik bräuchte. Nach zehn Minuten unterbrach ich meine Musikstunde vor der Tür und wiederholte meine Bitte. In der Zwischenzeit hatten sich viele männliche Gäste um den Tisch des Sicherheitsmannes versammelt und die Reaktion auf meine freundlich vorgetragene Bitte war ein ziemlich unfreundliches " Beschweren Sie sich bei den Maltesern. Ich kann nicht mehr, als hier per Funk Bescheid zu geben". Ich war ziemlich perplex und kann mir diese Reaktion nur so erklären, dass im Besein der anderen Männer, er keine Weisung von mir erhalten wollte.

Aufgeschlossen wurde nach 30 Minuten und auf meinen Hinweis, dass wir schon eine halbe Stunde vor der Tür warten würden, bekam ich zu hören, dass ich schließlich nicht die Einzige wäre, die warten müsste,

Seit Januar finden jede Woche Mi, Do, Fr Musikstunden statt. Immer zur gleichen Zeit im gleich Raum. Es hängt sogar ein Belegungsplan an der Tür. Aber es ist nicht möglich, das in die Planung einzubeziehen.

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Fr

08

Apr

2016

Musikstunde ohne Kinder

Heute war wieder eine Musikstunde zusammen mit Rafah geplant. Sie hatte herausgefunden, dass es mit dem Aufschließen besser klappt, wenn man gleich unten am Haupteingang Bescheid gibt. Also fanden wir einen geöffneten Raum vor und freuten uns, den Unterricht pünktlich beginnen zu können. Leider waren keine Kinder auffindbar. Wir sind durchs ganze Haus gelaufen und haben auch im Raum der Kinderbetreuung nachgesehen, der verlassen war. Uns wurde gesagt, dass die Erzieher mit den Kindern auf dem Spielplatz wären.

Daraufhin gingen wir ins Büro der Ehrenamtlichen und vereinbarten für den kommenden Freitag einen Gesprächstermin. Erfreulicherweise gibt es jetzt Schulplätze für die Kinder, was eine neue Zeitplanung notwendig macht.

Beim Verlassen des ICC kamen uns die Kinder entgegen und auffällig war, dass von den fast einhundert Kindern in der Unterkunft es immer die gleichen sind, die sich an Aktivitäten beteilligen.

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Mi

06

Apr

2016

Frühling im ICC

Frisch erholt aus dem Osterurlaub kommend, war ich gut vorbereitet und voller Elan an meinem ersten Mittwoch erschienen. Leider klappte das Aufschließen wieder gar nicht und ich wartete mit einem guten halben Dutzend Kindern vor der Türe. Als wir endlich in den Raum konnten, waren nur noch fünf Kinder übrig, die anderen wieder irgendwohin verschwunden. Aber es wurde eine schöne Stunde und wir sangen die deutsche Version von "I like the flowers".

Die zweite Gruppe (ursprünglich war angedacht, zuerst mit den Großen 6-10jährigen zu arbeiten, danach mit den Kleinen 3-6jährigen) bestand wiederum aus nur fünf Kindern und weil die Aufmerksamkeitsspanne recht kurz war, spielten wir zum Ende der Stunde Memory.

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Di

15

Mär

2016

Osterrunde mit Rotary

Heute fand das zweite Treffen mit Rotary-Mitgliedern statt in der ehemaligen Pullman-Lounge im dritten Stock des ICC. Das Ambiente unterschied sich sehr von unserem ersten improvisierten Treffen in den Malteser-Büros und auf Bierbänken. Auch die Runde war diesmal kleiner und vor allem waren nicht nur Frauen und Kinder erschienen, sondern ich bekam erstmals auch die Väter der Kinder zu Gesicht. Asia hatte zur besseren Verständigung nur drei Familien eingeladen, was wohl viel diplomatisches Geschick verlangte, da zwischen den Gästen im ICC eine dauernde Konkurrenzsituation herrscht und sich daraus schnell Animositäten zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten entwickeln können.

 

Unter den Geladenen war eine Frau, die gerade heute Geburtstag hatte. Obendrein war sie gerade vor drei Wochen wieder Mutter geworden und das Neugeborene war im MaxiCosi mit dabei. Asia hatte einen Blumenstrauß besorgt und Rafah und ich sangen mit den Kindern ein Geburtstagsständchen. Bei der Vorstellrunde (die ausschließlich von den Männern bestritten wurde) stellte sich heraus, dass die Familien aus dem Irak, Syrien und Palästina stammen. Zum Teil fanden sie den Weg nach Deutschland auf dem Landweg, zum Teil übers Mittelmeer. Alle Männer betonten, dass sie schnell arbeiten und ihren Familien und Kindern eine gute Zukunft bieten wollen. Bei der Frage nach den Fortschritten beim Deutschlernen, meinte ein Vater, dass es besser wäre, erst eine eigene Wohnung zu haben um die Sprache zu lernen. Dazu muß man wissen, dass sich die geladenen Familien bereits in einer priviligierten Situation befinden: sie sind nicht im großen Ballsaal des ICC untergebracht, wo nur Trennwände die einzelnen Zimmer unterteilen, sondern bewohnen richtige Räume im 5. Stock mit Fenstern und Tageslicht. Michael Linckersdorff betonte, dass die Reihenfolge eine andere wäre und die Sprache der Schlüssel zu allem anderen. Einige interessante Zitate folgten auch noch, die leider wegen der Sprachschwierigkeiten und dem Zeitmangel nicht vertieft werden konnten. Die Männer glauben, dass die Berliner Wirtschaft durch die Flüchtlinge enorm angekurbelt worden wäre. Es war die Rede davon, dass Jesiden den Satan anbeten und dass auf dem Land in Deutschland paradisische Zustände herrschten, mit Wohnraum für alle.  

 

Rafah mischte sich zwischendurch auch in die Diskussion ein, was die anwesenden Familienväter eher irritierte und zu der Frage animierte, wo sie denn ihre Wurzeln hätte. Geboren und aufgewachsen in Jordanien, stammt Rafahs Familie zum Teil aus Syrien und aus Palästina. Mit ihren kurzen Haaren (selbstverständlich ohne Kopftuch) und ihrer herzerfrischenden Art die Dinge beim Namen zu nennen, stellte sie einige provokante Thesen auf und wollte Antworten von den Männern. Zum Beispiel auf die Frage des Sport- und Schwimmunterrichts für Mädchen. Die anwesenden Männer erklärten sich einverstanden damit, ihre Töchter bis zum 12. Lebensjahr teilnehmen zulassen. Natürlich hätte man da weiterreden müssen und den Männern erklären, dass Frauen und Mädchen in Deutschland die gleichen Rechte genießen wie die Männer. Rafah warf zwar noch ein, dass Kinder hier mit dem vollendeten 18. Lebensjahr selbst über ihr Leben bestimmen dürfen, doch leider wurden diese Wertediskussion nicht vertieft. Dafür wäre besser eine männliche arabisch sprechende Person geeignet, die ganz klar benennen kann, was zur Eingliederung hier in Deutschland erwartet wird. Frauen werden von den Männer als Gesprächspartner nicht ernst genommen.

 

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Mi

09

Mär

2016

Schwierige Arbeitsbedingungen

Leider war das Durcheinander nicht dem Umzug geschuldet und vorübergehend.

Man stelle sich das so vor: beim Ankommen geht der Aufzug wieder mal nicht und es muß sich erst ein Wachmann mit Schlüssel finden, der mich zur anderen Seite des Gebäudes bringt und hochfährt. Erster Zwischenstopp im dritten Stock. Hier sind die Büros der Malteser und dort kann ich Winterjacke und Schal hinterlassen und den Cd-Player abholen. Dann das gleiche Spiel mit dem Aufzug: eine direkte Verbindung über eine Treppe gibt es nicht, um in den fünften Stock zu kommen. Deshalb muß ich dem Aufzug nehmen, der nur mit Schlüssel funktioniert (normalerweise kann man ohne Probleme nach oben fahren - zum Schutz der Kinder, die gerne mal an den Aufzügen spielen, geht es aber nicht abwärts). Endlich im fünften Stock angekommen, bitte ich den Wachmann, jemanden anzufunken, der mir den Raum aufschließt. Auf dem Weg zum Deutsch- und Musikzimmer sammle ich dann unterwegs die Kinder ein. Wenn es länger als fünf Minuten dauert, bis das Zimmer offen ist, nehmen wir schon mal am Boden vor der Tür Platz und veranstalten ein "Wunschkonzert". Während dessen sind viele kleine Hände an meiner Tasche und dem CD-Player. Wir müssen aufpassen, dass wir uns auf dem schmutzigen Boden nicht in Essensreste setzen und weil es schon mal bis zu einem Dutzend Kinder werden können, versperren wir den anderen Bewohnern natürlich den Durchgang. Ist der Raum dann endlich offen, muß ich erst mal umbauen, denn es stehen Schultische und -bänke herum. Eigentlich keine große Sache, leider fordern Tische und Bänke die Kinder zum Draufsitzen und -turnen auf und ich muß erst die Kleinen "herunterpflücken", bevor ich etwas verschieben kann. In der Zwischenzeit sind meine Arbeitsmaterialien unbeaufsichtigt und eine Aufforderung an die Kinder, sich kreativ zu betätigen (meine lederne iPad-Hülle hat viele Kugelschreiberverzierungen und meine Arbeitshefte sind bemalt und zerrissen). Bisher habe ich es vermieden Gitarre oder Akkordeon mitzubringen, weil mir meine Instrumente für diese Behandlung einfach zu schade sind. Das pädagogische Personal ist zu beschäftigt, um die Kinder zur Stunde zu begleiten und die Ehrenamtlichen, die manchmal teilnehmen, sprengen gelegentlich den Unterricht durch eigene Gespräche oder vorzeitiges Verlassen des Raumes (wodurch eine "Massenflucht" einsetzt).

 

Sind dann alle Umbauten getätigt und haben die Kinder Platz genommen, versuche ich, meine vorbereitete Stunde zu beginnen, kommt bestimmt noch ein Nachzügler, der die ganze Sitzordnung sprengt und Auseinandersetzungen untereinander auslöst. Manchmal werden mir auch knapp 2jährige von ihren Eltern reingeschoben, welche dann ganz schnell verschwunden sind, was eine mittlere Panik bei den Kleinen auslöst. Dann bin ich oder die großen Kinder mit Trösten beschäftigt oder mit der Organisation, wie man Eltern und Kind wieder vereinen könnte.

 

Die Stunde endet manchmal vorzeitig, weil plötzlich alle Hunger kriegen oder auf die Toilette müssen. Es bleiben dann vier oder fünf Kinder übrig, die die Gelegenheit nutzen, mich "allein" zu haben und dann auch nach ausgiebigem Singen, Spielen und Tanzen nicht wieder gehen möchten. Sie verstecken sich unter Tischen und Bänken und wollen partout nicht herauskommen. Der Raum wird aber wieder abgeschlossen und ich kann natürlich nicht gehen, bevor ich nicht sicher bin, dass alle draußen sind.

 

Dann wieder das Spiel mit den Aufzügen: zurück in den dritten Stock (quer durch den ehemaligen Küchentrakt) um meine Sachen zu holen. Weil im Musikzimmer am Heizkörper der Drehgriff abgebrochen wurde, wird der Raum volle Pulle aufgeheizt (zur Erinnerung ohne Fenster und Tageslicht). Ich habe mich darauf eingestellt und ziehe mich drum im Zwiebelprinzip an, wenn ich zum ICC fahre. Trotzdem bin ich hinterher komplett naß geschwitzt und durch die Heizungsluft halb ausgetrocknet. Die letzten Stockwerke nehme ich dann die Außentreppe, weils einfach schneller geht.

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Fr

04

Mär

2016

Handy, Tablet & Co

Diese Woche war wieder ziemlich viel Unruhe: die Malteser sind mit ihren Büros in die dritte Etage gezogen, die Erzieher mit dem Freizeitbereich für die Kinder in die vierte Etage. Der Umzug war notwendig, weil das LAGeSo mit seiner Leistungsstelle von der Turmstraße in Moabit ins ICC zieht. Zuerst werden beide Standorte beibehalten, später dann soll der ganze Publikumsverkehr im ICC abgewickelt werden. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen.

 

War es sonst schon nicht ganz einfach, eine feste Zeit für die Musikstunden zu etablieren, wird es jetzt noch schwieriger. Die Kinder müssen erst eingesammelt werden und es kommen noch weitere Stockwerke dazu. Das Sicherheitspersonal muß mir außerdem erst den Raum aufschließen; das dauerte heute geschlagene 20 Minuten. Ich saß in dieser Zeit mit ein paar Kindern vor der verschlossenen Türe und wir haben schon mal angefangen zu singen. Zwei Mädchen hatten ihre Tablets dabei und wollten gerne, dass ich ihnen auf YouTube die Lieder dazu suche. Dazu mussten wir die Tastatur auf "deutsch" umstellen und dann die Titel eingeben. Ich habe mir vorgestellt, wie es mir ginge, wenn ich arabische Schriftzeichen auf einer Tastatur identifizieren müsste und war sehr beeindruckt, wie schnell die Suche letztendlich klappte. Jedenfalls kam ich auf die Idee, eine Playlist mit den deutschen Liedern zu erstellen, die wir in unseren Stunden singen. Ich habe den Gedanken sofort in die Tat umgesetzt und unter der Rubrik "Yalla nghanni" sind jetzt die Videos zu einer Reihe von Liedern zu finden. In der Presse war ja schon oft die Rede davon, dass die Flüchtlinge alle bestens mit Mobiltelefonen ausgestattet sind und ich kann dies hier nur bestätigen: auf den Fluren und in den Gemeinschaftsräumen hängen Kinder und Erwachsene mit den Geräten an den Steckdosen.

 

 

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Mi

24

Feb

2016

Missverständnisse

Wieder einmal wurden alle Kinder von einem Zahnarzt untersucht, als ich ankam. Unsere Stunde fing deshalb etwas später an und erst nach und nach trudelten alle ein. Normalerweise beginne ich um 16 Uhr mit den Kindern zwischen 6 und 10 Jahren und um 17 Uhr folgen die Kleinen. Eine Altersbegrenzung nach unten gibt es nicht, denn manchmal bringen die Großen ihre kleinen Geschwister mit und so gibt es auch schon 2jährige, die an der Stunde teilnehmen. Die Jüngeren halten nicht unbedingt 45 Minuten durch, aber das ist keine Altersfrage. Es ist aber erfreulicherweise eine Entwicklung zu erkennen, was Konzentration und Ausdauer betrifft. Noch im Januar war viel mehr Kommen und Gehen.

Diesmal waren zwei Jungs aus Afghanistan dabei, vom Alter her schätze ich sie auf 12 oder 13 Jahre. Ich wollte einen kleinen KIKUS-Dialog einführen: "Ich bin da und du bist da. Ist denn auch die Fatma da?" Das klappte mit meiner Unterstützung ganz gut, weil ein ähnlicher Wortlaut auch in einem unserer Lieder vorkommt. Als die Reihe an den großen Jungs war, war plötzlich Stille. Zuerst dachte ich, die beiden sind neu und habe deshalb den Satz wiederholt. Aber dann merkte ich schon, dass die Ursache wohl eine andere wäre. Mir wurde dann ein Wort ins Ohr geflüstert "Religion". Gerne hätte ich etwas zur Klärung beigetragen, aber das musste ich aufs nächste Mal verschieben, wenn meine jordanische Kollegin wieder dabei wäre.

Auf Wunsch der Kinder haben wir "Häschen in der Grube" wiederholt. Dazu spielt immer ein Kind zusammengerollt auf dem Boden das Häschen und die anderen streicheln es gesund. Zu meiner Überraschung bestanden die beiden Großen darauf, ebenfalls Häschen zu spielen.

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Fr

19

Feb

2016

Elternnachmittag

Schon vor Tagen hatten wir eine schriftliche Einladung in arabisch und deutsch an die "Musikkinder" verteilt, mit der Hoffnung, die Eltern zu erreichen. Der Elternnachmittag sollte nach der Musikstunde am Freitag stattfinden und Asia und Steffi von der Leitung der Malteser, sowie Petra aus dem Erzieherteam wollten ebenfalls vorbeischauen. Wir waren gespannt, wieviele Familienangehörige kommen würden. Der Raum sollte ihnen bekannt sein, denn während der Musikstunden finden häufig Störungen durch die Eltern statt. Das war auch mit ein Grund für die Einladung. Wir wollten ein paar offizielle Regeln etablieren (d.h. vor allem ich wollte das -  Rafah spricht arabisch und hat keine Verständigungsprobleme).

 Das stand auf meinem Papier:

  • die Musikstunde dauert 45 Minunten: wer vorher rausgeht, bleibt draußen
  • im Raum wird nicht gegessen und getrunken
  • es werden keine Taschentücher o.ä. auf den Boden geworfen
  • Schimpfwörter und körperliche Auseinandersetzungen sind nicht erwünscht
  • Mädchen und Jungen werden gleich behandelt

Pünktlich zum offiziellen Beginn unseres Treffens standen zwei Mütter vor der Tür. Wie sich herausstellte, waren es genau die Frauen, deren Kinder keinerlei Probleme machen; sie kommen gerne und machen voller Begeisterung mit. Meine Liste habe ich deshalb gleich wieder weggepackt. Statt dessen haben wir die Zeit genutzt und die Frauen gefragt, welche Erwartungen sie an das Musikprojekt hätten. Heraus kam vor allem die Sorge darüber, dass nach den vielen Monaten noch immer kein Schulbesuch in Aussicht wäre.

 

Charlottenburg hat viele große Flüchtlingsunterkünfte und allein im ICC sind hunderte von Kindern. Diese Organisation ist eine große Herausforderung für die Behören. Ich habe aber auch meine Bedenken geäußert, dass es für die Familien sehr viel Mitarbeit bedeuten würde, die Kinder täglich für die Schule fertig zu machen. Im ICC laufen die Kinder barfuß oder in Badelatschen, zum Teil nur halb angezogen herum. Was weiter kein Problem ist, weil es wirklich warm im Gebäude ist. Der Tagesrhythmus der Bewohner ist völlig gestört ohne Tageslicht. Die einzigen Unterbrechungen sind die Essenszeiten, wobei es für manche Menschen schon schwierig ist, diese einzuhalten. Die Angebote z.B. der Erzieher, mit den Kindern (und Müttern) raus auf den Spielplatz zu gehen, werden kaum angenommen und es vergeht sehr viel Zeit, bis diese dann dem Wetter angemessen angezogen sind. Deutschstunden (für Kinder und Erwachsene) werden unregelmäßig bis gar nicht angenommen. Pünklichkeit ist eine deutsche Tugend und im Orient weniger wichtig. Außerdem darf man nicht vergessen, dass manche der Kinder bisher nur Krieg, Flucht und Flüchtlingslager erlebt haben. Eine Schule oder gar einen Kindergarten kennen sie nicht. Und die Eltern sind oftmals überfordert, sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen. Wenn ich ankomme, sind viele mit ihren Smartphones beschäftigt und finden meine Aufforderung zum Singen nicht besonders attraktiv.

 

 

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Mi

10

Feb

2016

Kleine Hindernisse

 

 

 

Heute wurde ich bereits am Eingang des ICC vom Sicherheitspersonal aufgehalten: obwohl ich nun seit Wochen im Hause ein und aus gehe, sollte ich mich gesondert ausweisen und dazu wurde das Büro der Malteser angefunkt. Um dieses Procedere künftig zu vermeiden, bekam ich einen Hausausweis mit Foto im Scheckkartenformat.


Weil ich dadurch etwas knapp in der Zeit war, fuhr ich gleich in den 5. Stock zu unserem "Musikzimmer". Normalerweise bringen die Erzieher die Kinder nach oben, denn bei den 3jährigen könnte es sonst schon passieren, dass sie verloren gehen. Allerdings war noch niemand zu sehen, also zurück in den 4. Stock, in den Kinder- und Frauenbereich neben dem großen Ballsaal. Und tatsächlich, da waren alle versammelt und warteten auf die Untersuchung beim Zahnarzt. Eine Helferin hatte Mühe, die ganze Schar von den Arbeitsmaterialien fern zu halten und die "Patienten" freuten sich über die Abwechslung. Meine Musikstunde verschob sich dadurch etwas nach hinten und die Gruppen wurden obendrein gewaltig durcheinandergewürfelt. Aber ich machte das beste draus...

 

Allerdings gab es noch eine Störung. Offensichtlich waren einzelne Steckdosen im Raum reaktiviert worden (ich hatte mir zu Anfang extra Batterien für den CD-Player besorgt), denn ein Bewohner öffnete zu Beginn der Stunde die Türe und schloss ein Kabel an. Ich dachte mir zuerst nicht viel dabei, zog das Kabel aus der Steckdose und machte die Tür wieder zu. Kurz darauf das gleich Spiel: Tür auf, Kabel rein. Diesmal wollte ich die Situation klären. Offensichtlich wollte der Mann Staubsaugen und verstand nicht, dass ich mich dadurch gestört fühlte. Ein "Nein" wollte er partout nicht akzeptieren und holte sogar noch Sicherheitsleute zur Unterstützung. Weil diese "Diskussion" mir die Zeit mit den Kindern stahl, zeigte ich letztendlich auf meine Uhr und sperrte von innen zu. Beliebt habe ich mich damit sicher nicht gemacht, aber es reicht schon die Lärmkulisse, die die Kinder veranstalten, da brauche ich nicht noch einen laufenden Staubsauger.

 

Zwischendurch machte ich mit den Kindern Bewegungsspiele und dabei fiel dem kleinen Fajek ein Ausweis aus der Tasche. Und siehe da: unsere Erkennungskarten waren identisch. Personal und Gäste laufen mit den gleichen Kärtchen rum.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Do

04

Feb

2016

Teestunde mit Rotary

Der Rotary Club Berlin-Süd finanziert unser deutsch-arabisches Musikprojekt und hatte für diesen Donnerstag die Familien zusammen mit den teilnehmenden Kindern zum Tee eingeladen. Diese Treffen sollen jetzt regelmäßig einmal im Monat stattfinden und jeweils zwei Rotarier werden dazu einladen.

 

Den Anfang machten der Präsident Hubertus Schenkel und Manfred Beer, der zuständige Mann für Soziale Projekte. Die Herren schenkten Tee aus und das orientalischen Restaurant Cana aus Mitte hatte uns dazu arabische Köstlichkeiten spendiert. Vorab machten wir uns etliche Gedanken, ob unsere zweisprachigen Zettel tatsächlich bei den Familien landen und gelesen werden würden. Und ob dann auch eine kleine musikalische Darbietung mit den Kindern machbar wäre. Wieviele Mütter mit Kindern dann kamen, hat uns alle überrascht. Bei meinem Eintreffen waren bestimmt schon ein Dutzend Personen anwesend (meine Erfahrung bisher war eher, dass "deutsche" Zeiten nicht eingehalten werden). Im Laufe des Nachmittags kamen mindestens nochmal soviele Gäste und das Team der Malteser musste ständig neue Sitzgelegenheiten herbeischaffen. Die Rotarier stellten sich mit Asia als Dolmetscherin kurz vor und baten dann die Frauen, ebenfalls kurz etwas von sich zu erzählen. Für mich waren diese zwei Stunden kurzweilig und informativ; ich lernte die dazugehörigen Mütter meiner "Schüler" kennen, konnte Geschwisterkinder endlich zuordnen und erfuhr etwas über die Herkunftsländer und die Fluchtwege.

 

Leider war Rafah krank und ich hatte leichte Bedenken, ob die Kinder mit der gleichen Begeisterung bei unserer kleinen Gesangsvorführung mitmachen würden, wenn der Schwerpunkt auf den deutschen Liedern wäre. Im Nachhinein erwiesen sich meine Befürchtungen allerdings als unbegründet. Alle anwesenden Kinder wollten unbedingt in Aktion treten und ein bißchen Aufmerksamkeit von den Erwachsenen. Zum Glück kannte ich von unserem Eröffnungsstück "Sing sing together" auch die arabische Fassung (natürlich sangen wir nicht den englischen Text, sondern eine deutsche Version). Die nachfolgenden Stücke waren Aram sam sam und das Esellied, ein arabisches Kinderlied das alle Kinder gut kennen und zu dem ich einen deutschen Text  gemacht hatte. Danach gab es viele Vorschläge von den Kindern, was wir noch singen könnten, und wir haben aus Spaß einfach weitergemacht, obwohl die Erwachsenen schon lange nicht mehr zuhörten.

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Mi

27

Jan

2016

Kleine Circusstunde

Bei meinem ersten Besuch wurde mir der vorgesehene "Kinderraum" gezeigt: eine große Halle ohne Fenster und Tageslicht und mit einer völlig ungeeigneten Akustik. Mir taten die Erzieher leid, die vermutlich jeden Tag mit Kopfschmerzen nach Hause gehen, weil die Lautstärke unerträglich ist. Andererseits hatte ich gleich die Vision, dass der Raum perfekt für Circus sei: Akrobatik, Jonglage, Einradfahren.

In der Grundschulzeit meiner Tochter hatte ich eine Circus AG an der Dreilinden-Grundschule in Wannsee gegründet und begleitet. Carlotta war völlig circusnärrisch und in die nächsten entsprechenden Einrichtungen waren in Kreuzberg oder noch weiter weg. Da erschien es mir am einfachsten, selbst etwas auf die Füsse zu stellen. Zusammen mit einer Fachfrau habe ich dann drei Jahre lang mit den Kindern jongliert, balanciert und Hilfestellungen gegeben. Aus dieser Zeit hatte ich noch viele Hula Hopp Reifen in verschiedenen Größen und schon mehrmals überlegt, was ich damit machen könnte.

 

Diesen Mittwoch nun war ich schon zeitig am ICC und versuchte neben meinem üblichen Unterrichtsmaterial auch noch acht Hula Hopp Reifen vom Auto in den 4. Stock zu schaffen. Veronica war mit einigen Kindern noch draußen auf einem Spielplatz, so erregte mein Ankommen nur die Aufmerksamkeit weniger Kinder. Und das war auch gut so: im Nu waren Kleine und Große in Aktion und kreisten ihre Hüften. Zum Glück hatte ich ausreichend Reifen für alle dabei, aber durch die unterschiedlichen Größen und Farben gab es trotzdem Auseinandersetzungen. Erfreulicherweise haben sich auch einige Jungs an der Aktivität beteiligt. In den Musikstunden habe ich die Erfahrung gemacht, dass den größeren Jungen vieles genant ist: singen, spielen, andere Kinder (vor allem Mädchen) anfassen. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass sie an der Musik nur teilnehmen, um die jüngeren Geschwister zu beaufsichtigen. Sobald die großen Brüder dann keine Lust mehr hatten, mussten die Kleinen auch mit rausgehen.

 

Jedenfalls habe ich Asia,der Koordinatorin des ICC, vorgeschlagen, für die älteren Kinder ein Circus-Projekt anzubieten. In Zehlendorf gibt es zwei Waldorfschulen, die in dieser Kunst recht akitv sind. Den Circus Molto Vitale der Emil Molt Schule gibt es bereits über 15 Jahre und demensprechend viele Artisten sind daraus schon hervorgegangen. Ich möchte nicht wissen, wieviele Einräder in Garagen rumstehen (bei mir sind es zwei). Aber natürlich braucht es fachgerechte Anleitung ...

 

 

                                

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Fr

15

Jan

2016

Musikstunde zweisprachig

Mein zweiter Einsatz in der Flüchtlingsunterkunft ICC war gemeinsam mit Rafah. Zu zweit war es wesentlich entspannter, trotzdem wir gut 20 Kinder in dem kleinen Raum versammelten. Sehr hilfreich war natürlich, dass es eine arabisch sprechende Ansprechpartnerin gab. Aber auch die Gelassenheit Rafahs angesichts des kleinen Chaos war bemerkenswert. Man muß gar nicht auf alles eingehen; eine Mutter mit einem 1-jährigen spazierte zwischendurch herein, setzte sich dazu und es war überhaupt nicht störend. Mein Impuls beim Hereinkommen war es, sie gleich darauf hinzuweisen, dass ihr Kind noch zu klein für die Gruppe wäre. Was sich im Nachhinein als überflüssig erwies ...

Ich habe mit einem kleinen Warming-up angefangen. Dazu hatte ich laminierte Din A4-große Fotos von Tieren, die wir in Lauten und Gesten nachmachten. Dann kam der Zaubersack mit einem Hund als Inhalt. Der Dackel stellte sich den Kindern als Waldemar vor und ging dann von Hand zu Hand mit der Begrüßung "Hallo, ich heiße Waldemar. Und wie heißt du?" Wir sangen und tanzten zusammen das Lied "Mein Dackel Waldemar und ich, wir zwei". Danach wiederholten wir das Esellied in arabisch und deutsch und spielten "Tuff tuff tuff, die Eisenbahn". Die Verständigung war viel leichter und alle hatten Spaß an Bewegung und Musik.
 
30 Jahre pädagogische und musikalische Erfahrung haben mich nicht auf die Situation mit den Flüchtlingskindern vorbereitet. Seit vielen Jahren arbeite ich schon mit Migrantenkindern in der Sprachförderung, aber es ist trotzdem nicht mit meinem Einsatz im ICC vergleichbar. Ich glaube, ich muß mir jedes Mal wieder bewusst machen, dass die Kinder nicht mit hierzulande Aufgewachsenen vergleichbar sind: sie haben keinerlei Erfahrungen mit strukturierten Tagesabläufen wie in Kindergarten und Schule, und die (Überlebens-)Regeln, die sie in ihrer kurzen Lebenszeit gelernt haben, sind nicht vergleichbar mit den Erwartungen die wir in Deutschland an sie haben. Es wird eine immense Aufgabe darstellen, diese kleinen Menschen in Kindergärten und Schulen zu integrieren.

 

Ganz ohne Regeln wird es aber in den nächsten Wochen trotzdem nicht gehen. Ich habe mir vorgenommen, darauf zu bestehen, dass Essen und Trinken nicht mitgebracht wird. Dass alle, die zwischendurch rausgehen, dann auch bitte draußen bleiben sollen und natürlich, dass körperliche Auseinandersetzungen völlig fehl am Platz sind.

 

 

 

 

Mein Dackel Waldemar ...

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Mi

13

Jan

2016

Der erste Versuch

Leider hat sich der Beginn unseres Musikunterrichts um eine Woche verzögert, weil unter den Bewohnern des ICC die Windpocken ausgebrochen waren und ich über den Jahreswechsel an einer Gürtelrose erkrankte. (Ein Zusammenhang besteht dabei nicht, wie ich nicht unerwähnt lassen möchte)

 

Ich traf also am Mittwoch zeitig am ICC in Charlottenburg ein, weil ich noch nicht wusste, wo und mit welchen Kinder meine Musikstunden stattfinden sollten. Glücklicherweise gibt es vor Ort keine Parkplatzprobleme, da die Mitarbeiter der Malteser aufs Gelände fahren dürfen und ich nun auch in diesen Genuß komme. Im Büro der Ehrenamtlichen konnte ich meine Sachen ablegen und mich in die Liste der anwesenden Personen eintragen. Dann wurde ich in den 4. Stock begleitetet, wo sich im Foyer mehrere Mitarbeiter mit den Kindern beschäftigen. Veronica, die zuständige Pädagogin, zog gemeinsam mit mir los und wir sammelten die Kinder ein. In der ersten Gruppe sollte das Alter von 3 bis 6 Jahre vertreten sein und in der zweiten Gruppe die größeren Kinder. Mit einem CD-Player unter dem Arm und einer Reihe Kindern an der Hand machte ich mich auf den Weg ein Stockwerk höher.

 

Der Raum, in dem auch Deutschstunden abgehalten werden, ist nicht ideal, aber besser als das Foyer. Es gibt keine Fenster und damit kein Tageslicht. Das Brummen der Klimaanlage ist am Anfang sehr dominierend. Bestückt ist das Zimmer mit zwei Biertischgarnituren und vielen Federkissen, die am Boden liegen. Die Kinder stürzten sich gleich auf das Mobiliar und standen und saßen im Nu auf dem Tisch. In der Zwischenzeit versuchte ich, die Kissen kreisförmig auszulegen und alle dazu zu animieren, am Boden Platz zu nehmen. Das erwies sich als nicht einfach; einmal wegen der Sprachbarriere und dann auch, weil Biertische scheinbar wesentlich attraktiver sind als Kissen. Um alle Kinder von den Tischen zu kriegen, wollte ich den CD-Player als "Geheimwaffe" einsetzen (meine Stimme ist zwar kraftvoll, aber bei einem Dutzend Kinder nicht mehr wirklich durchdringend). Leider funktionierte keine der zahlreichen Steckdosen und ich war doch wieder auf meine Stimme angewiesen. 

 

Die Stunde war im Nu vorbei, wobei ich nicht das Gefühl hatte, viel "geschafft" zu haben.

 

Es herrschte ein Kommen und Gehen, weil die Kinder Durst oder Hunger hatten. Streitereien wurden nicht nur lautstark, sondern auch handgreiflich ausgetragen (z.B. erhoben die Jungs Anspruch auf die meisten Sitzkissen). Mütter suchten ihre Kinder und marschierten unter lautstarken Bekundungen einfach in die Stunde und wieder hinaus. Nach diesem ersten Versuch war ich ziemlich ratlos, hinsichtlich der Zielvorgabe, am Ende des Projektes ein Konzert mit den Kindern zu veranstalten.

 

 

 

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So

17

Apr

2016

Vorzeitiger Ausstieg aus dem Projekt

Als Reaktion auf das (in meinen Augen konstruktiv und sachlich geführte) Gespräch mit den Verantwortlichen im ICC schrieb mir Rafah eine persönlich sehr beleidigende und verletzende Nachricht. Ich habe nicht sofort geantwortet, mit dem Ergebnis, dass sie nochmal nachlegte, um ihre Meinung zu bekräftigen. Das Ergebnis ist, dass ich mir eine weitere Zusammenarbeit absolut nicht vorstellen kann. Auch ein gemeinsames CD Projekt mit arabisch/deutschen Kinderliedern wird es nicht geben.

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Fr

15

Apr

2016

Gesprächstermin bei den Maltesern

Vor der Musikstunde fand die geplante Gesprächsrunde bei den Maltesern statt. Teil nahmen die stellvertretende Einrichtungsleitung, die Ehrenamtskoordinatorin, eine Erzieherin, Rafah und ich. Mit dem Beginn der helleren Jahreszeit und einem Wetter, das es möglich macht, viel mit den Kindern rauszugehen, wird es schwierig, das bisher dreimal die Woche stattfindende Musikangebot aufrecht zu erhalten. Ein Gang auf den Spielplatz lohnt nicht, wenn alle um 16 Uhr bereits wieder da sein müssen. Wir haben überlegt, die Zeiten nach hinten zu verschieben, was sich für Rafah und mich schwierig gestaltet. Andere Tage kommen auch nicht in Frage, weil bereits andere Angebote stattfinden. Wir haben uns dann dahingehend geeinigt, den Mittwoch (meine Deutschstunden) komplett zu streichen und dafür am Donnerstag und Freitag den Unterricht gemeinsam zu machen. Damit wäre auch das Problem des fehlenden zweiten Erwachsenen gelöst.

 

Die Alternative wäre gewesen, schon im April mit einem Abschlusskonzert das Projekt zu beenden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass das schade wäre.

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Mi

13

Apr

2016

"Schlüsselgewalt"

Wieder einmal stand ich vor verschlossener Tür und sagte dem Mann vom Sicherheitspersonal auf der Etage Bescheid, dass ich den Raum für die Musik bräuchte. Nach zehn Minuten unterbrach ich meine Musikstunde vor der Tür und wiederholte meine Bitte. In der Zwischenzeit hatten sich viele männliche Gäste um den Tisch des Sicherheitsmannes versammelt und die Reaktion auf meine freundlich vorgetragene Bitte war ein ziemlich unfreundliches " Beschweren Sie sich bei den Maltesern. Ich kann nicht mehr, als hier per Funk Bescheid zu geben". Ich war ziemlich perplex und kann mir diese Reaktion nur so erklären, dass im Besein der anderen Männer, er keine Weisung von mir erhalten wollte.

Aufgeschlossen wurde nach 30 Minuten und auf meinen Hinweis, dass wir schon eine halbe Stunde vor der Tür warten würden, bekam ich zu hören, dass ich schließlich nicht die Einzige wäre, die warten müsste,

Seit Januar finden jede Woche Mi, Do, Fr Musikstunden statt. Immer zur gleichen Zeit im gleich Raum. Es hängt sogar ein Belegungsplan an der Tür. Aber es ist nicht möglich, das in die Planung einzubeziehen.

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Fr

08

Apr

2016

Musikstunde ohne Kinder

Heute war wieder eine Musikstunde zusammen mit Rafah geplant. Sie hatte herausgefunden, dass es mit dem Aufschließen besser klappt, wenn man gleich unten am Haupteingang Bescheid gibt. Also fanden wir einen geöffneten Raum vor und freuten uns, den Unterricht pünktlich beginnen zu können. Leider waren keine Kinder auffindbar. Wir sind durchs ganze Haus gelaufen und haben auch im Raum der Kinderbetreuung nachgesehen, der verlassen war. Uns wurde gesagt, dass die Erzieher mit den Kindern auf dem Spielplatz wären.

Daraufhin gingen wir ins Büro der Ehrenamtlichen und vereinbarten für den kommenden Freitag einen Gesprächstermin. Erfreulicherweise gibt es jetzt Schulplätze für die Kinder, was eine neue Zeitplanung notwendig macht.

Beim Verlassen des ICC kamen uns die Kinder entgegen und auffällig war, dass von den fast einhundert Kindern in der Unterkunft es immer die gleichen sind, die sich an Aktivitäten beteilligen.

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Mi

06

Apr

2016

Frühling im ICC

Frisch erholt aus dem Osterurlaub kommend, war ich gut vorbereitet und voller Elan an meinem ersten Mittwoch erschienen. Leider klappte das Aufschließen wieder gar nicht und ich wartete mit einem guten halben Dutzend Kindern vor der Türe. Als wir endlich in den Raum konnten, waren nur noch fünf Kinder übrig, die anderen wieder irgendwohin verschwunden. Aber es wurde eine schöne Stunde und wir sangen die deutsche Version von "I like the flowers".

Die zweite Gruppe (ursprünglich war angedacht, zuerst mit den Großen 6-10jährigen zu arbeiten, danach mit den Kleinen 3-6jährigen) bestand wiederum aus nur fünf Kindern und weil die Aufmerksamkeitsspanne recht kurz war, spielten wir zum Ende der Stunde Memory.

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Di

15

Mär

2016

Osterrunde mit Rotary

Heute fand das zweite Treffen mit Rotary-Mitgliedern statt in der ehemaligen Pullman-Lounge im dritten Stock des ICC. Das Ambiente unterschied sich sehr von unserem ersten improvisierten Treffen in den Malteser-Büros und auf Bierbänken. Auch die Runde war diesmal kleiner und vor allem waren nicht nur Frauen und Kinder erschienen, sondern ich bekam erstmals auch die Väter der Kinder zu Gesicht. Asia hatte zur besseren Verständigung nur drei Familien eingeladen, was wohl viel diplomatisches Geschick verlangte, da zwischen den Gästen im ICC eine dauernde Konkurrenzsituation herrscht und sich daraus schnell Animositäten zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten entwickeln können.

 

Unter den Geladenen war eine Frau, die gerade heute Geburtstag hatte. Obendrein war sie gerade vor drei Wochen wieder Mutter geworden und das Neugeborene war im MaxiCosi mit dabei. Asia hatte einen Blumenstrauß besorgt und Rafah und ich sangen mit den Kindern ein Geburtstagsständchen. Bei der Vorstellrunde (die ausschließlich von den Männern bestritten wurde) stellte sich heraus, dass die Familien aus dem Irak, Syrien und Palästina stammen. Zum Teil fanden sie den Weg nach Deutschland auf dem Landweg, zum Teil übers Mittelmeer. Alle Männer betonten, dass sie schnell arbeiten und ihren Familien und Kindern eine gute Zukunft bieten wollen. Bei der Frage nach den Fortschritten beim Deutschlernen, meinte ein Vater, dass es besser wäre, erst eine eigene Wohnung zu haben um die Sprache zu lernen. Dazu muß man wissen, dass sich die geladenen Familien bereits in einer priviligierten Situation befinden: sie sind nicht im großen Ballsaal des ICC untergebracht, wo nur Trennwände die einzelnen Zimmer unterteilen, sondern bewohnen richtige Räume im 5. Stock mit Fenstern und Tageslicht. Michael Linckersdorff betonte, dass die Reihenfolge eine andere wäre und die Sprache der Schlüssel zu allem anderen. Einige interessante Zitate folgten auch noch, die leider wegen der Sprachschwierigkeiten und dem Zeitmangel nicht vertieft werden konnten. Die Männer glauben, dass die Berliner Wirtschaft durch die Flüchtlinge enorm angekurbelt worden wäre. Es war die Rede davon, dass Jesiden den Satan anbeten und dass auf dem Land in Deutschland paradisische Zustände herrschten, mit Wohnraum für alle.  

 

Rafah mischte sich zwischendurch auch in die Diskussion ein, was die anwesenden Familienväter eher irritierte und zu der Frage animierte, wo sie denn ihre Wurzeln hätte. Geboren und aufgewachsen in Jordanien, stammt Rafahs Familie zum Teil aus Syrien und aus Palästina. Mit ihren kurzen Haaren (selbstverständlich ohne Kopftuch) und ihrer herzerfrischenden Art die Dinge beim Namen zu nennen, stellte sie einige provokante Thesen auf und wollte Antworten von den Männern. Zum Beispiel auf die Frage des Sport- und Schwimmunterrichts für Mädchen. Die anwesenden Männer erklärten sich einverstanden damit, ihre Töchter bis zum 12. Lebensjahr teilnehmen zulassen. Natürlich hätte man da weiterreden müssen und den Männern erklären, dass Frauen und Mädchen in Deutschland die gleichen Rechte genießen wie die Männer. Rafah warf zwar noch ein, dass Kinder hier mit dem vollendeten 18. Lebensjahr selbst über ihr Leben bestimmen dürfen, doch leider wurden diese Wertediskussion nicht vertieft. Dafür wäre besser eine männliche arabisch sprechende Person geeignet, die ganz klar benennen kann, was zur Eingliederung hier in Deutschland erwartet wird. Frauen werden von den Männer als Gesprächspartner nicht ernst genommen.

 

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Mi

09

Mär

2016

Schwierige Arbeitsbedingungen

Leider war das Durcheinander nicht dem Umzug geschuldet und vorübergehend.

Man stelle sich das so vor: beim Ankommen geht der Aufzug wieder mal nicht und es muß sich erst ein Wachmann mit Schlüssel finden, der mich zur anderen Seite des Gebäudes bringt und hochfährt. Erster Zwischenstopp im dritten Stock. Hier sind die Büros der Malteser und dort kann ich Winterjacke und Schal hinterlassen und den Cd-Player abholen. Dann das gleiche Spiel mit dem Aufzug: eine direkte Verbindung über eine Treppe gibt es nicht, um in den fünften Stock zu kommen. Deshalb muß ich dem Aufzug nehmen, der nur mit Schlüssel funktioniert (normalerweise kann man ohne Probleme nach oben fahren - zum Schutz der Kinder, die gerne mal an den Aufzügen spielen, geht es aber nicht abwärts). Endlich im fünften Stock angekommen, bitte ich den Wachmann, jemanden anzufunken, der mir den Raum aufschließt. Auf dem Weg zum Deutsch- und Musikzimmer sammle ich dann unterwegs die Kinder ein. Wenn es länger als fünf Minuten dauert, bis das Zimmer offen ist, nehmen wir schon mal am Boden vor der Tür Platz und veranstalten ein "Wunschkonzert". Während dessen sind viele kleine Hände an meiner Tasche und dem CD-Player. Wir müssen aufpassen, dass wir uns auf dem schmutzigen Boden nicht in Essensreste setzen und weil es schon mal bis zu einem Dutzend Kinder werden können, versperren wir den anderen Bewohnern natürlich den Durchgang. Ist der Raum dann endlich offen, muß ich erst mal umbauen, denn es stehen Schultische und -bänke herum. Eigentlich keine große Sache, leider fordern Tische und Bänke die Kinder zum Draufsitzen und -turnen auf und ich muß erst die Kleinen "herunterpflücken", bevor ich etwas verschieben kann. In der Zwischenzeit sind meine Arbeitsmaterialien unbeaufsichtigt und eine Aufforderung an die Kinder, sich kreativ zu betätigen (meine lederne iPad-Hülle hat viele Kugelschreiberverzierungen und meine Arbeitshefte sind bemalt und zerrissen). Bisher habe ich es vermieden Gitarre oder Akkordeon mitzubringen, weil mir meine Instrumente für diese Behandlung einfach zu schade sind. Das pädagogische Personal ist zu beschäftigt, um die Kinder zur Stunde zu begleiten und die Ehrenamtlichen, die manchmal teilnehmen, sprengen gelegentlich den Unterricht durch eigene Gespräche oder vorzeitiges Verlassen des Raumes (wodurch eine "Massenflucht" einsetzt).

 

Sind dann alle Umbauten getätigt und haben die Kinder Platz genommen, versuche ich, meine vorbereitete Stunde zu beginnen, kommt bestimmt noch ein Nachzügler, der die ganze Sitzordnung sprengt und Auseinandersetzungen untereinander auslöst. Manchmal werden mir auch knapp 2jährige von ihren Eltern reingeschoben, welche dann ganz schnell verschwunden sind, was eine mittlere Panik bei den Kleinen auslöst. Dann bin ich oder die großen Kinder mit Trösten beschäftigt oder mit der Organisation, wie man Eltern und Kind wieder vereinen könnte.

 

Die Stunde endet manchmal vorzeitig, weil plötzlich alle Hunger kriegen oder auf die Toilette müssen. Es bleiben dann vier oder fünf Kinder übrig, die die Gelegenheit nutzen, mich "allein" zu haben und dann auch nach ausgiebigem Singen, Spielen und Tanzen nicht wieder gehen möchten. Sie verstecken sich unter Tischen und Bänken und wollen partout nicht herauskommen. Der Raum wird aber wieder abgeschlossen und ich kann natürlich nicht gehen, bevor ich nicht sicher bin, dass alle draußen sind.

 

Dann wieder das Spiel mit den Aufzügen: zurück in den dritten Stock (quer durch den ehemaligen Küchentrakt) um meine Sachen zu holen. Weil im Musikzimmer am Heizkörper der Drehgriff abgebrochen wurde, wird der Raum volle Pulle aufgeheizt (zur Erinnerung ohne Fenster und Tageslicht). Ich habe mich darauf eingestellt und ziehe mich drum im Zwiebelprinzip an, wenn ich zum ICC fahre. Trotzdem bin ich hinterher komplett naß geschwitzt und durch die Heizungsluft halb ausgetrocknet. Die letzten Stockwerke nehme ich dann die Außentreppe, weils einfach schneller geht.

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Fr

04

Mär

2016

Handy, Tablet & Co

Diese Woche war wieder ziemlich viel Unruhe: die Malteser sind mit ihren Büros in die dritte Etage gezogen, die Erzieher mit dem Freizeitbereich für die Kinder in die vierte Etage. Der Umzug war notwendig, weil das LAGeSo mit seiner Leistungsstelle von der Turmstraße in Moabit ins ICC zieht. Zuerst werden beide Standorte beibehalten, später dann soll der ganze Publikumsverkehr im ICC abgewickelt werden. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen.

 

War es sonst schon nicht ganz einfach, eine feste Zeit für die Musikstunden zu etablieren, wird es jetzt noch schwieriger. Die Kinder müssen erst eingesammelt werden und es kommen noch weitere Stockwerke dazu. Das Sicherheitspersonal muß mir außerdem erst den Raum aufschließen; das dauerte heute geschlagene 20 Minuten. Ich saß in dieser Zeit mit ein paar Kindern vor der verschlossenen Türe und wir haben schon mal angefangen zu singen. Zwei Mädchen hatten ihre Tablets dabei und wollten gerne, dass ich ihnen auf YouTube die Lieder dazu suche. Dazu mussten wir die Tastatur auf "deutsch" umstellen und dann die Titel eingeben. Ich habe mir vorgestellt, wie es mir ginge, wenn ich arabische Schriftzeichen auf einer Tastatur identifizieren müsste und war sehr beeindruckt, wie schnell die Suche letztendlich klappte. Jedenfalls kam ich auf die Idee, eine Playlist mit den deutschen Liedern zu erstellen, die wir in unseren Stunden singen. Ich habe den Gedanken sofort in die Tat umgesetzt und unter der Rubrik "Yalla nghanni" sind jetzt die Videos zu einer Reihe von Liedern zu finden. In der Presse war ja schon oft die Rede davon, dass die Flüchtlinge alle bestens mit Mobiltelefonen ausgestattet sind und ich kann dies hier nur bestätigen: auf den Fluren und in den Gemeinschaftsräumen hängen Kinder und Erwachsene mit den Geräten an den Steckdosen.

 

 

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Mi

24

Feb

2016

Missverständnisse

Wieder einmal wurden alle Kinder von einem Zahnarzt untersucht, als ich ankam. Unsere Stunde fing deshalb etwas später an und erst nach und nach trudelten alle ein. Normalerweise beginne ich um 16 Uhr mit den Kindern zwischen 6 und 10 Jahren und um 17 Uhr folgen die Kleinen. Eine Altersbegrenzung nach unten gibt es nicht, denn manchmal bringen die Großen ihre kleinen Geschwister mit und so gibt es auch schon 2jährige, die an der Stunde teilnehmen. Die Jüngeren halten nicht unbedingt 45 Minuten durch, aber das ist keine Altersfrage. Es ist aber erfreulicherweise eine Entwicklung zu erkennen, was Konzentration und Ausdauer betrifft. Noch im Januar war viel mehr Kommen und Gehen.

Diesmal waren zwei Jungs aus Afghanistan dabei, vom Alter her schätze ich sie auf 12 oder 13 Jahre. Ich wollte einen kleinen KIKUS-Dialog einführen: "Ich bin da und du bist da. Ist denn auch die Fatma da?" Das klappte mit meiner Unterstützung ganz gut, weil ein ähnlicher Wortlaut auch in einem unserer Lieder vorkommt. Als die Reihe an den großen Jungs war, war plötzlich Stille. Zuerst dachte ich, die beiden sind neu und habe deshalb den Satz wiederholt. Aber dann merkte ich schon, dass die Ursache wohl eine andere wäre. Mir wurde dann ein Wort ins Ohr geflüstert "Religion". Gerne hätte ich etwas zur Klärung beigetragen, aber das musste ich aufs nächste Mal verschieben, wenn meine jordanische Kollegin wieder dabei wäre.

Auf Wunsch der Kinder haben wir "Häschen in der Grube" wiederholt. Dazu spielt immer ein Kind zusammengerollt auf dem Boden das Häschen und die anderen streicheln es gesund. Zu meiner Überraschung bestanden die beiden Großen darauf, ebenfalls Häschen zu spielen.

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Fr

19

Feb

2016

Elternnachmittag

Schon vor Tagen hatten wir eine schriftliche Einladung in arabisch und deutsch an die "Musikkinder" verteilt, mit der Hoffnung, die Eltern zu erreichen. Der Elternnachmittag sollte nach der Musikstunde am Freitag stattfinden und Asia und Steffi von der Leitung der Malteser, sowie Petra aus dem Erzieherteam wollten ebenfalls vorbeischauen. Wir waren gespannt, wieviele Familienangehörige kommen würden. Der Raum sollte ihnen bekannt sein, denn während der Musikstunden finden häufig Störungen durch die Eltern statt. Das war auch mit ein Grund für die Einladung. Wir wollten ein paar offizielle Regeln etablieren (d.h. vor allem ich wollte das -  Rafah spricht arabisch und hat keine Verständigungsprobleme).

 Das stand auf meinem Papier:

  • die Musikstunde dauert 45 Minunten: wer vorher rausgeht, bleibt draußen
  • im Raum wird nicht gegessen und getrunken
  • es werden keine Taschentücher o.ä. auf den Boden geworfen
  • Schimpfwörter und körperliche Auseinandersetzungen sind nicht erwünscht
  • Mädchen und Jungen werden gleich behandelt

Pünktlich zum offiziellen Beginn unseres Treffens standen zwei Mütter vor der Tür. Wie sich herausstellte, waren es genau die Frauen, deren Kinder keinerlei Probleme machen; sie kommen gerne und machen voller Begeisterung mit. Meine Liste habe ich deshalb gleich wieder weggepackt. Statt dessen haben wir die Zeit genutzt und die Frauen gefragt, welche Erwartungen sie an das Musikprojekt hätten. Heraus kam vor allem die Sorge darüber, dass nach den vielen Monaten noch immer kein Schulbesuch in Aussicht wäre.

 

Charlottenburg hat viele große Flüchtlingsunterkünfte und allein im ICC sind hunderte von Kindern. Diese Organisation ist eine große Herausforderung für die Behören. Ich habe aber auch meine Bedenken geäußert, dass es für die Familien sehr viel Mitarbeit bedeuten würde, die Kinder täglich für die Schule fertig zu machen. Im ICC laufen die Kinder barfuß oder in Badelatschen, zum Teil nur halb angezogen herum. Was weiter kein Problem ist, weil es wirklich warm im Gebäude ist. Der Tagesrhythmus der Bewohner ist völlig gestört ohne Tageslicht. Die einzigen Unterbrechungen sind die Essenszeiten, wobei es für manche Menschen schon schwierig ist, diese einzuhalten. Die Angebote z.B. der Erzieher, mit den Kindern (und Müttern) raus auf den Spielplatz zu gehen, werden kaum angenommen und es vergeht sehr viel Zeit, bis diese dann dem Wetter angemessen angezogen sind. Deutschstunden (für Kinder und Erwachsene) werden unregelmäßig bis gar nicht angenommen. Pünklichkeit ist eine deutsche Tugend und im Orient weniger wichtig. Außerdem darf man nicht vergessen, dass manche der Kinder bisher nur Krieg, Flucht und Flüchtlingslager erlebt haben. Eine Schule oder gar einen Kindergarten kennen sie nicht. Und die Eltern sind oftmals überfordert, sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen. Wenn ich ankomme, sind viele mit ihren Smartphones beschäftigt und finden meine Aufforderung zum Singen nicht besonders attraktiv.

 

 

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Mi

10

Feb

2016

Kleine Hindernisse

 

 

 

Heute wurde ich bereits am Eingang des ICC vom Sicherheitspersonal aufgehalten: obwohl ich nun seit Wochen im Hause ein und aus gehe, sollte ich mich gesondert ausweisen und dazu wurde das Büro der Malteser angefunkt. Um dieses Procedere künftig zu vermeiden, bekam ich einen Hausausweis mit Foto im Scheckkartenformat.


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Mi

13

Jan

2016

Der erste Versuch

Leider hat sich der Beginn unseres Musikunterrichts um eine Woche verzögert, weil unter den Bewohnern des ICC die Windpocken ausgebrochen waren und ich über den Jahreswechsel an einer Gürtelrose erkrankte. (Ein Zusammenhang besteht dabei nicht, wie ich nicht unerwähnt lassen möchte)

 

Ich traf also am Mittwoch zeitig am ICC in Charlottenburg ein, weil ich noch nicht wusste, wo und mit welchen Kinder meine Musikstunden stattfinden sollten. Glücklicherweise gibt es vor Ort keine Parkplatzprobleme, da die Mitarbeiter der Malteser aufs Gelände fahren dürfen und ich nun auch in diesen Genuß komme. Im Büro der Ehrenamtlichen konnte ich meine Sachen ablegen und mich in die Liste der anwesenden Personen eintragen. Dann wurde ich in den 4. Stock begleitetet, wo sich im Foyer mehrere Mitarbeiter mit den Kindern beschäftigen. Veronica, die zuständige Pädagogin, zog gemeinsam mit mir los und wir sammelten die Kinder ein. In der ersten Gruppe sollte das Alter von 3 bis 6 Jahre vertreten sein und in der zweiten Gruppe die größeren Kinder. Mit einem CD-Player unter dem Arm und einer Reihe Kindern an der Hand machte ich mich auf den Weg ein Stockwerk höher.

 

Der Raum, in dem auch Deutschstunden abgehalten werden, ist nicht ideal, aber besser als das Foyer. Es gibt keine Fenster und damit kein Tageslicht. Das Brummen der Klimaanlage ist am Anfang sehr dominierend. Bestückt ist das Zimmer mit zwei Biertischgarnituren und vielen Federkissen, die am Boden liegen. Die Kinder stürzten sich gleich auf das Mobiliar und standen und saßen im Nu auf dem Tisch. In der Zwischenzeit versuchte ich, die Kissen kreisförmig auszulegen und alle dazu zu animieren, am Boden Platz zu nehmen. Das erwies sich als nicht einfach; einmal wegen der Sprachbarriere und dann auch, weil Biertische scheinbar wesentlich attraktiver sind als Kissen. Um alle Kinder von den Tischen zu kriegen, wollte ich den CD-Player als "Geheimwaffe" einsetzen (meine Stimme ist zwar kraftvoll, aber bei einem Dutzend Kinder nicht mehr wirklich durchdringend). Leider funktionierte keine der zahlreichen Steckdosen und ich war doch wieder auf meine Stimme angewiesen. 

 

Die Stunde war im Nu vorbei, wobei ich nicht das Gefühl hatte, viel "geschafft" zu haben.

 

Es herrschte ein Kommen und Gehen, weil die Kinder Durst oder Hunger hatten. Streitereien wurden nicht nur lautstark, sondern auch handgreiflich ausgetragen (z.B. erhoben die Jungs Anspruch auf die meisten Sitzkissen). Mütter suchten ihre Kinder und marschierten unter lautstarken Bekundungen einfach in die Stunde und wieder hinaus. Nach diesem ersten Versuch war ich ziemlich ratlos, hinsichtlich der Zielvorgabe, am Ende des Projektes ein Konzert mit den Kindern zu veranstalten.

 

 

 

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So

17

Apr

2016

Vorzeitiger Ausstieg aus dem Projekt

Als Reaktion auf das (in meinen Augen konstruktiv und sachlich geführte) Gespräch mit den Verantwortlichen im ICC schrieb mir Rafah eine persönlich sehr beleidigende und verletzende Nachricht. Ich habe nicht sofort geantwortet, mit dem Ergebnis, dass sie nochmal nachlegte, um ihre Meinung zu bekräftigen. Das Ergebnis ist, dass ich mir eine weitere Zusammenarbeit absolut nicht vorstellen kann. Auch ein gemeinsames CD Projekt mit arabisch/deutschen Kinderliedern wird es nicht geben.

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Fr

15

Apr

2016

Gesprächstermin bei den Maltesern

Vor der Musikstunde fand die geplante Gesprächsrunde bei den Maltesern statt. Teil nahmen die stellvertretende Einrichtungsleitung, die Ehrenamtskoordinatorin, eine Erzieherin, Rafah und ich. Mit dem Beginn der helleren Jahreszeit und einem Wetter, das es möglich macht, viel mit den Kindern rauszugehen, wird es schwierig, das bisher dreimal die Woche stattfindende Musikangebot aufrecht zu erhalten. Ein Gang auf den Spielplatz lohnt nicht, wenn alle um 16 Uhr bereits wieder da sein müssen. Wir haben überlegt, die Zeiten nach hinten zu verschieben, was sich für Rafah und mich schwierig gestaltet. Andere Tage kommen auch nicht in Frage, weil bereits andere Angebote stattfinden. Wir haben uns dann dahingehend geeinigt, den Mittwoch (meine Deutschstunden) komplett zu streichen und dafür am Donnerstag und Freitag den Unterricht gemeinsam zu machen. Damit wäre auch das Problem des fehlenden zweiten Erwachsenen gelöst.

 

Die Alternative wäre gewesen, schon im April mit einem Abschlusskonzert das Projekt zu beenden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass das schade wäre.

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Mi

13

Apr

2016

"Schlüsselgewalt"

Wieder einmal stand ich vor verschlossener Tür und sagte dem Mann vom Sicherheitspersonal auf der Etage Bescheid, dass ich den Raum für die Musik bräuchte. Nach zehn Minuten unterbrach ich meine Musikstunde vor der Tür und wiederholte meine Bitte. In der Zwischenzeit hatten sich viele männliche Gäste um den Tisch des Sicherheitsmannes versammelt und die Reaktion auf meine freundlich vorgetragene Bitte war ein ziemlich unfreundliches " Beschweren Sie sich bei den Maltesern. Ich kann nicht mehr, als hier per Funk Bescheid zu geben". Ich war ziemlich perplex und kann mir diese Reaktion nur so erklären, dass im Besein der anderen Männer, er keine Weisung von mir erhalten wollte.

Aufgeschlossen wurde nach 30 Minuten und auf meinen Hinweis, dass wir schon eine halbe Stunde vor der Tür warten würden, bekam ich zu hören, dass ich schließlich nicht die Einzige wäre, die warten müsste,

Seit Januar finden jede Woche Mi, Do, Fr Musikstunden statt. Immer zur gleichen Zeit im gleich Raum. Es hängt sogar ein Belegungsplan an der Tür. Aber es ist nicht möglich, das in die Planung einzubeziehen.

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Fr

08

Apr

2016

Musikstunde ohne Kinder

Heute war wieder eine Musikstunde zusammen mit Rafah geplant. Sie hatte herausgefunden, dass es mit dem Aufschließen besser klappt, wenn man gleich unten am Haupteingang Bescheid gibt. Also fanden wir einen geöffneten Raum vor und freuten uns, den Unterricht pünktlich beginnen zu können. Leider waren keine Kinder auffindbar. Wir sind durchs ganze Haus gelaufen und haben auch im Raum der Kinderbetreuung nachgesehen, der verlassen war. Uns wurde gesagt, dass die Erzieher mit den Kindern auf dem Spielplatz wären.

Daraufhin gingen wir ins Büro der Ehrenamtlichen und vereinbarten für den kommenden Freitag einen Gesprächstermin. Erfreulicherweise gibt es jetzt Schulplätze für die Kinder, was eine neue Zeitplanung notwendig macht.

Beim Verlassen des ICC kamen uns die Kinder entgegen und auffällig war, dass von den fast einhundert Kindern in der Unterkunft es immer die gleichen sind, die sich an Aktivitäten beteilligen.

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Mi

06

Apr

2016

Frühling im ICC

Frisch erholt aus dem Osterurlaub kommend, war ich gut vorbereitet und voller Elan an meinem ersten Mittwoch erschienen. Leider klappte das Aufschließen wieder gar nicht und ich wartete mit einem guten halben Dutzend Kindern vor der Türe. Als wir endlich in den Raum konnten, waren nur noch fünf Kinder übrig, die anderen wieder irgendwohin verschwunden. Aber es wurde eine schöne Stunde und wir sangen die deutsche Version von "I like the flowers".

Die zweite Gruppe (ursprünglich war angedacht, zuerst mit den Großen 6-10jährigen zu arbeiten, danach mit den Kleinen 3-6jährigen) bestand wiederum aus nur fünf Kindern und weil die Aufmerksamkeitsspanne recht kurz war, spielten wir zum Ende der Stunde Memory.

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Sprache

ist die Grundlage für Bildung

und Bildung

ist die Grundlage für

eine gesunde Gesellschaft.

Jedes Kind soll die

gleichen Chancen

bekommen,

seine Gesellschaft

aktiv mitzuprägen.

 

Edgardis Garlin

 

 

 

 

 

Musik allein

ist die Weltsprache

und braucht nicht

übersetzt zu werden

 

Berthold Auerbach (1812 - 1882)

 

 

 

 

 

Wer fremde Sprache nicht kennt,

weiß nichts von seiner eigenen

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

 

Du hast so viele Leben,

wie du Sprachen sprichst

 

Aus Tschechien